Die Geschichte des Friedhofes

Die Geschichte des Handewitter Friedhofs

 

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Ein Ort für die Lebenden
 Friedhofe sind immer ein Spiegel unserer Welt und das liebvolle Erinnern an die Verstorbenen gehört zum Wesen des menschlichen Daseins dazu.
Im Mittelalter gehörte die Bestattung der Toten zu den sogenannten „Sieben Werken der Barmherzigkeit“. Damals prägte die Angst um das ewige Seelenheil die Friedhöfe. Die Menschen sollten möglichst nahe bei der Kirche bestattet werden, denn man hoffte, dass die Nähe zum Heiligen und die Fürbitten der Christen den Verstorbenen im Fegefeuer helfen könnten.  Nach alter Sitte werden die Verstorbenen zudem nach Osten gerichtet beigesetzt, da aus dieser Himmelsrichtung die Wiederkunft Christi erwartet wurde. So sollte die Anlage der Friedhöfe den Verstorbenen in der Ewigkeit helfen.
Solche Gedanken lehnte die Kirche nach der Reformation jedoch ab. Nach der lutherischen Lehre steht jeder Mensch alleine vor Gottes Thron und die Lebenden können den Toten nicht mehr beistehen.
Daher wandelte sich der Friedhof nun in einen ein Ort für die Hinterbliebenen. Er wurde ein Ort des Gedenkens, des Trostes und des Erinnerns. Aus einem Ort für die Toten wurde ein Ort für die Lebenden.
Inzwischen spiegelt auch der Friedhof den Wandel in unserer Gesellschaft wieder. Die Zugehörigkeit zu einem Ortsteil, oder einem Dorf tritt zurück. Viele Familien leben weit verstreut und können sich aus der Ferne nicht mehr um die Gräber kümmern. Andere wünschen sich besondere Formen der Beerdigung, und auch die virtuellen Friedhöfe im Internet nehmen an Bedeutung zu.  Auch der Handewitter Friedhof verändert sich. Die Zunahme der Urnenbeisetzungen, der Baumbegräbnisse und der individuellen Bestattungsformen zeugen davon. Aber noch immer ist er ein Ort des Friedens und des Erinnerns.

Frieshof (Pahlke)  (6)

Die Geschichte des Handewitter Friedhofes
 Seitdem in Handewitt eine Kirche steht, gab es in ihrer Nähe einen Friedhof.  Es ist daher davon auszugehen, dass die Ursprünge des Handewitter Friedhofes ca. 800 Jahre alt sind.
Der heutige Friedhof besteht aus dem eigentlichen Friedhofsgelände, dem Brautplatz am östlichen und dem Parkplatz am südlichen Rand. Neben dem Brautplatz liegt der Ehrenfriedhof mit den Namen der Gefallenen des ersten und zweiten Weltkrieges.
Der Friedhof hat eine Größe von fast 2 ha, der Parkplatz ist 0,3 ha groß.
Ursprünglich war der Friedhof jedoch wesentlich kleiner als heute, Nach Norden wurde er 1828 um einen 15 m breiten Streifen bis an die jetzige Grenze erweitert. Nach Osten reichte er bis an eine Linie, die jetzt noch durch einige große Bäume markiert ist. Zur Straße führte eine breite Auffahrt, der sogenannte Brautplatz. Solche Brautplätze hat es bei vielen Kirchen gegeben. Hier verließen die Brautleute bei einer Hochzeit die Kutsche.
Es gab drei Zugänge mit gemauerten Torbogen. Sie durften nicht verschlossen werden, da ein öffentlicher Fußsteig von Norden nach Süden über den Friedhof führte. Die Tore wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen.

 

Der Küster und das liebe Vieh
 Man darf sich den Friedhof in den vergangenen Jahrhunderten nicht so schön gepflegt wie heute vorstellen.  Eine Neufassung der Friedhofsordnung aus dem Jahre 1816 lässt einiges von den damaligen Zuständen erahnen.
Bis dahin stand dem Küster offensichtlich das Weiderecht auf dem Friedhof zu. In einem Schreiben heißt es vorsichtig „Dadurch würden Einfriedigung und Verzierung der Gräber geschmälert“. Daher wurde das Weiderecht damals durch Geldzahlungen abgelöst und der Küster wurde verpflichtet fortan ein Grabregister zu führen.

 

Der Frösleer Rasen
Die einzelnen Dörfer hatten früher ihre Grabstätten jeweils in einem bestimmten Gebiet des Friedhofes. Zu ihnen gehörte auch der Ort Fröslee. Nach der Grenzversetzung im Jahr 1920 wurden die Frösleer nach vielen Jahrhunderten von ihrer alten Kirche getrennt.  Im Jahre 1955 entstand dann eine Zusammenarbeit zwischen dem Kirchspiel zu Handewitt und dem Kirchspiel zu Bau, und alle alten dänischen Grabsteine des Friedhofes wurden auf dem „Frösleer Friedhof“ in malerischer Lage zusammengetragen.  Auch der Grabstein des dänischen Dichters und Gastwirt Karsten Thomsen gehörte dazu.

 

Lageplan Friedhof 2014

Große Veränderungen
 Große Veränderungen erlebte der Handewitter Friedhof im 20. Jahrhundert.
Zunächst wurde nach dem 1. Weltkrieg ein Ehrenmal für die Gefallenen errichtet. 1953 wurde es dann an die jetzige Stelle verlegt. Hier finden sich seitdem auch die Namen derer, die als Soldaten im 2.Weltkrieg ums Leben kamen.
Im Jahre 1962 wurde dann die Leichenhalle gebaut.  Und da immer mehr Parkraum benötigt wurde, wurde schließlich an der Südseite des Friedhofes ein Grundstück erworben. Der Grenzwall wurde damals mit Flieder bepflanzt. Die politische Gemeinde übernahm die laufenden Befestigungskosten des Parkplatzes. Denn obwohl sich der Friedhof in kirchlicher Trägerschaft befindet, steht er doch allen Menschen offen, ganz egal welchen Glauben die Verstorbenen hatten.
Die alte schöne Ulmenallee musste aufgrund der Ulmenkrankheit im Jahr 1985 leider gefällt werden. Aus Spenden wurde daraufhin die Neuanpflanzung einer Lindenallee finanziert.

 

Veränderte Bestattungskultur
 Der gravierendste Wandel auf dem Friedhof kam wohl durch die Zunahme von Urnenbegräbnissen zustande. Die Anzahl der alten Familiengräber nimmt seitdem stetig ab.  Dafür wünschen sich viele Menschen individuelle Bestattungsformen.  Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, wurden in drei unterschiedlichen Bauabschnitten Urnenfelder angelegt. Der erste Abschnitt stammt aus dem Jahr 1990. Neben den Urnenfeldern mit individuellen Grabplatten, gibt es inzwischen auch ein Feld mit zentralen Granitstelen, in der die Namen der Verstorbenen eingraviert werden und seit dem Jahr 2014 bietet die Kirchengemeinde auch noch Urnengrabstätten unter Bäumen an.

 

Ein Anker auf dem Friedhof
 Nördlich der Kirche wurde auf dem Friedhof ein Anker aufgestellt. Es ist ein altes christliches Symbol der Hoffnung. Hier besteht die Möglichkeit die Namen derer anzubringen, die auf See bestattet wurden und deren Angehörige dadurch keinen Erinnerungsort haben.

 

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