Kirche

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Die Handewitter Kirche

Die Handewitter Kirche mit ihrem markanten Dach ist schon von weitem zu sehen. Der Kirchraum empfängt den Besucher mit viel warmen Holz und bunten Glasfenstern. Man fühlt sich hier gleich zuhause! So soll eine Kirche sein! Es ist ein Ort des Gesangs, des Gebets und der Suche nach Gott. Über 800 Jahre Geschichte sprechen hier zu einen.

Das Gebiet der Kirchengemeinde ist sehr groß. Es reicht von Weding bis Ellund. Früher umfasste es sogar noch Harrislee und Fröslee, das jetzt in Dänemark liegt. Eine Fläche größer als die Stadt Flensburg. Der Grund für das große Ausmaß des Kirchspiels lag in dem sandigen Boden des Geestlandes. Hier erwirtschaftete die Landwirtschaft, vor der Erfindung des Kunstdüngers, nur schlechte Erträge. Dazu gab es viele Moor und Heideflächen, die nicht bewirtschaftet wurden. So kam es, dass in Handewitt über viele Jahrhunderte hinweg, auch große Armut zu finden war.

Die alte mittelalterliche Kirche wurde durch einen Blitzschlag im Jahre 1882 fast völlig vernichtet. Der Wiederaufbau erfolgte dann im Stil der damaligen Zeit. Nach dem dänisch-deutschen Kriegen, orientierte man sich an der „deutschen Architektur“ und wollte, der als kalt empfundenen Aufklärung mehr Gefühl und eine stärkere Betonung der Religiosität entgegensetzen. All dieses verkörperte der Stil der Neugotik, der die mittelalterliche Ästhetik, mit moderner Technik und dem Grundsatz der Materialechtheit paarte.

Die neue Kirche wurde auf den Grundmauern der alten errichtet, dabei wurde der stehen gebliebene Kirchturm in den Neubau integriert. Auch die Proportionen des mittelalterlichen Vorgängerbaus wurden übernommen. Allerdings bekam die neue Kirche ein hölzernes Tonnengewölbe und die Gestaltung von Altar, Kanzel, Fenster und Empore erfolgte nun ganz im neugotischen Stil.

Altar Hdw (ganz) (1)

 

Ausstattung

Vom Vorgängerbau konnten nur das große Kruzifix, der Taufstein aus Granit, die gotischen Messingleuchter und die alten Kirchenbücher gerettet werden.

 

Der Altar
Der Altar der Handewitter Kirche stammt aus dem Jahr 1884. Er ist im Stil der Neugotik mit Schnitzwerk verziert. Neben reicher Ornamentik und Drechselarbeiten werden auf vier Feldern Getreide und Weintrauben dargestellt. In der Mitte des Altars ist das  “Lamm Gottes” zu sehen, das durch seine farbige Gestaltung besonders hervorgehoben wird. Über allem steht ein großes Kruzifix, das aus einer Schnitzwerkstatt in Oberammergau stammt.

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Kruzifix
Die Handewitter Kirche besitzt zwei etwa gleichgroße Darstellungen des gekreuzigten Christus aus verschiedenen Epochen. Ein Kruzifix aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert das in den Altar integriert ist und ein weiteres aus dem Jahr 1687, das bei dem Brand der Handewitter Kirche gerettet wurde. Es hat seinen Platz nach alter Ordnung über dem Chorbogen.

 

Taufstein
Der romanische Taufstein aus dem 12. Jahrhundert stammt aus der Vorgängerkirche. Er ist aus Granit gefertigt und mit schlichten Rundbogenarkaden verziert. Der ursprünglich dazugehörende quadratische Sockel wurde 1883 zerstört. Eine Grafik des Taufsteins ziert auch das aktuelle Kirchensiegel der ev. Kirchengemeinde Handewitt.

Kanzel Hdw (3)

Kanzel
Die Kanzel wurde nach dem Brand im neugotischen Stil angefertigt und ist mit Holzschnitzereien und Drechselarbeiten verziert. Sie zeigt die Symbole der vier Evangelisten und eine Darstellung von Jesus. Der Kanzelkorb ruht auf vier gleichgestalteten Säulen.

 

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Fenster
Alle Fenster der Kirche wurden im neugotischen Stil gestaltet. Im Kirchenschiff finden sich einfache Fenster aus farbigem Glas mit geometrischen Mustern. Die Fenster des Chorraums dagegen sind aufwendig mit Glasmalerei gestaltet. Hier finden sich Muster mit den wiederkehrenden Motiven von Getreide und Weintrauben.

 

Jürgen Pahlke  Westfenster (1)

Fenster von Charles Crodel
er Turmraum der Kirche ist seit 1965 mit zwei Fenstern von Charles Crodel ausgestattet. An der Südwand des Turmes findet sich ein kleines Fenster zum Thema Adam und Christus.  Im ehemaligen Eingang auf der Westseite befindet sich ein neunfach unterteiltes Fenster zur Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Folgende Szenen werden dort dargestellt:

  • Untere Reihe: Ankündigung der Geburt, Geburt im Stall und Flucht nach Ägypten
  • Mittlere Reihe: Gefangennahme; Kreuzigung und Grablegung.
  • Obere Reihe: Frauen am leeren Grab, Auferstehung und Emmausjünger

Die einzelnen Bilder erhalten viele Hinweise und Anspielungen auf biblische Geschichten und deren Deutungen, aber auch verspielte Details. Neben klassischen Motiven der Kunstgeschichte finden sich recht unkonventionelle Darstellungen. So wird Jesus etwa zweimal von hinten gezeigt. In der Emmausszene wird auf das Brot verzichtet und stattdessen ein freier Stuhl für den Betrachter eingefügt. Unter dem Kreuz ist Adam zu sehen und bei der Gefangennahme erinnert der hervorgehobene Fuß des Judas möglicherweise an die Fußwaschung. Eine der Frauen am leeren Grab wird mit verbundenen Augen dargestellt, da es dem Künstler wohl auf die „innere Schau“ der Auferstehung ankommt. Die liebevoll entworfenen Bilder gehören sicherlich zu den bedeutenden Werken der Glasmalerei der deutschen Nachkriegszeit.